„Schuld“ ist  die Vereinsarbeit im Hundesportverein, die ich ehrenamtlich seit 2008 bis heute ausführe. Und ich mache sie wirklich gern, freue mich jede Woche aufs Neue auf die vielen verschiedenen Menschen und Hunde. Nur leider hat die Vereinsarbeit auch ihre Grenzen, und ich sah viele Menschen mit ihren Hunden auf dem Platz stehen, die eigentlich einen ganz anderen Ansatz benötigten. Die Gruppenstunden reichten nicht aus, um individueller auf einzelne eingehen zu können. Viele Fragen wurden mir gestellt, so manches „Alltagsproblem“ geschildert und immer öfter traf ich mich in meiner Freizeit, um Hilfestellung in banalen Alltagssituationen zu geben. Mir war eben nicht egal, wie die Leute mit ihren Hunden draußen, außerhalb des Übungsplatzes, zurechtkamen.

Was nutzt mir der Hund, der auf Trainingsgelände schön und korrekt läuft, der zwar ein gerades Sitz und ein schnelles Platz beherrscht, der aber nicht locker und entspannt durch den Alltag zu führen ist. Den ich draußen nicht ableinen kann, weil er nicht kommt, der mich beim Spaziergang durch die Gegend zieht oder der jede Begegnung mit Artgenossen zur Zitterpartie werden lässt oder der an Weiden, bei Radfahrern, Joggern etc. allzu großes Interesse zeigt. Wo stimmt da was nicht? Wo setzt man da an?

Schon vor meiner Trainerzeit fand ich es immer sehr spannend, die vielen verschiedenen Mensch-Hund-Gespanne zu beobachten. Egal ob im Alltag, beim Training oder auf einem Turnier. Immerzu schaute ich, was Mensch und Hund wie machten. Wie ist der Umgang miteinander? Wie kommen die miteinander zurecht? „Verstehen“ die sich? Warum klappt es bei den einen so gut und bei den anderen nicht? Warum hat dieser Mensch sich gerade diesen Hund ausgesucht? Was sind die Ziele? Hat er ihn schon von klein auf? Wo kommt der Hund her? Wie ist er mit Artgenossen? Warum reagiert Herrchen oder Frauchen so? Und wie reagiert der Hund? Welchen Eindruck hinterlassen sie in ihrer Umwelt? Und, und, und…

Auch habe ich wahre Dream-Teams gesehen, bei denen alles leise, harmonisch und ganz locker über die Bühne ging. Da war Freude, Vertrauen und eine gewisse Gelassenheit im Umgang miteinander zu sehen. Das faszinierte mich. Wo lag der Unterschied? Was machten die anders? Solche „Hintergrundfragen“ beschäftigten mich schon damals mehr als die sportlichen Ergebnisse…

Etliche Mensch-Hund-Teams habe ich in den letzten Jahren kennengelernt. Sie sind in ihrer Art so unterschiedlich wie in ihrem Aussehen. Viele Fortbildungen, Praxisseminare und Workshops habe ich besucht – auch sehr unterschiedlich. Überall habe ich etwas mitgenommen, angenommen, übernommen und wenn es nur die Feststellung war, es so oder so nicht zu machen.

Interessant die verschiedenen Ansichten, Einschätzungen, Vorgehensweisen, Philosophien der „Hundeausbildungsstätten“. Was der eine hochpreisend lobt, lehnt der andere verpönt ab.

Die einen arbeiten mit Beschwichtigungssignalen, die anderen mit viel, viel Futter, die nächsten warnen vor Ballspielen, wieder ein anderer sagt: Hunde brauchen Hunde, während der übernächste meint: Hunde „spielen“ nicht. Oder es wird geflötet, den Hund ja keinem Stress auszusetzen und alles soll nur positiv sein… und dann gibt’s wieder welche, die schmeißen sogar mit Futterschüsseln. Sich in diesem Wirrwarr zurechtzufinden ist nicht einfach. Was für den einen die richtige Methode sein kann, bringt beim anderen keinen Erfolg.

Leider gibt es sie einfach nicht, die Zauberformel der Hundeerziehung, die sich auf alle übertragen lässt. …oder Gott sei Dank? Zu individuell sind Hund und Mensch, Beziehung, Umfeld, Zweck, Ziele, Ansichten und Charaktere. Zu schön wäre: x+y+u+l= braver Hund. Aber vielleicht wäre das auch viel zu langweilig…

Dennoch gibt es gewisse Grundregeln im Umgang mit Hund, die für alle gelten.

Und die sind auch gar nicht so schwer. Eigentlich.

Wenn der Mensch nur nicht zu menschlich, emotional, egoistisch und zu kompliziert denken und handeln würde, sondern einfach bereit wäre, sich ein Stück in seinen Hund hinein zu fühlen und sich mit ihm auseinander zu setzen.

Das sollte uns nicht schwerfallen, schließlich glauben wir Menschen, die Klügeren zu sein… 😉